Ressourcenreichtum – ein Fluch für ein Land?

Résumé en français

Bis Mitte der 1980er Jahre herrschte die Meinung vor, dass Vorkommen natürlicher Ressourcen für jedes Land einen Segen darstellen. Die 1995 von Sachs und Warner veröffentlichte Studie [1] belegte jedoch das Gegenteil – der Rohstoffreichtum eines Landes geht nicht mit einem durchschnittlich höheren Wirtschaftswachstum einher, sondern beeinflusst dieses negativ.[2] Dieser Zusammenhang wurde seither mehrfach bestätigt. Aber auch zu dieser Regel gibt es Ausnahmen, wie die Beispiele der rohstoffreichen Länder Norwegen und Australien zeigen. Eine naheliegende Frage betrifft den Zusammenhang zwischen dem Rohstoffreichtum und der Korruption in einem Land. Dieser Zusammenhang ist zwar nicht eindeutig belegt. Anhand der weitverbreiteten Armut in vielen rohstoffreichen Ländern wird jedoch ersichtlich, dass durch Korruption zweckentfremdete staatliche Einnahmen aus dem Rohstoffsektor für die Entwicklung der Staaten fehlen. Beispielsweise leben in Afrikas zweitgrösstem Ölexportland Angola 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag, im Tschad sind es 80 Prozent.[3] Neben dem Versickern von staatlichen Geldern hat Korruption im Rohstoffsektor weitere negative Auswirkungen. In Nigeria ist nach 50 Jahren Erdölförderung die Region um das Nigerdelta von schwersten Kontaminierungen des Bodens und Wassers betroffen. Diese Umweltverschmutzungen, die auch direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der lokalen Bevölkerung haben, werden in Kauf genommen, weil die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor fast 80% der gesamten Staatseinnahmen ausmachen. Die undurchsichtigen finanziellen Beziehungen zu den Förderunternehmen öffnen korrupten Handlungen Tür und Tor.

Die im Jahr 2002 initiierte „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI) verfolgt das Ziel, die finanziellen Beziehungen von Förderunternehmen und Regierungen transparent zu gestalten, indem die Ausschreibung von staatlichen Förderlizenzen und die dafür bezahlten Beträge öffentlich publiziert werden. Der Erfolg der EITI bleibt jedoch auch nach zehn Jahren beschränkt.[4] Zudem sind auch Rohstoffsektoren von Korruption betroffen, die der EITI nicht unterstehen. So wird Korruption als eine der treibenden Kräfte hinter illegaler Abholzung erkannt, wobei Regierungen auch hier durch die intransparente Veräusserung von Lizenzen und Konzessionen in das illegale Geschäft verwickelt sind. Laut einem Bericht von Transparency International spielen dabei Faktoren wie ungenügende Standards in der öffentlichen Auftragsvergabe, Mangel an Transparenz und Rechenschaft, schwache staatliche Institutionen und klientelistische Beziehungssysteme eine entscheidende Rolle.[5]

Im folgenden Artikel des Newsletters beschreibt Lukas Straumann, Direktor des Bruno Manser Fonds (BMF), ein Fallbeispiel. Anhand der Tätigkeit des BMF zum Schutz des Tropenwaldes auf der indonesischen Insel Borneo werden die Zusammenhänge zwischen Waldrodungen, Korruption und Regierungstätigkeit exemplarisch dargestellt.

Quellen:
[1] Sachs, Jeffrey D. und Andrew M. Warner (1995), „Natural Resource Abundance and Economic Growth”, NBER Working Paper Series Nr. 5398.
[2] Giese, Susanne (2010), “Fluch des Öls”, E+Z, 2010(05), 206-207.
[3] United Nations Environment Program (2011), „UNEP Ogoniland Oil Assessment Reveals Extent of Environmental Contamination and Threats to Human Health”.
[4] Rittel, Claudia Isabel (2010), „Grenzen der Transparenz“, E+Z, 2010(04), 136-137.
[5] Transparency International (2010), „Corruption in Logging Licenses & Concessions“, TI Working Paper, 2010(03)

Weitere Quellen:




Résumé:  
Abondance de matières premières – une malédiction pour le pays ?

La présence de ressources naturelles ne constitue pas nécessairement une bénédiction pour un pays. Une bonne partie des revenus des matières premières, essentiels pour le développement des Etats, sont détournés de leurs buts par la corruption et une grande partie de la population vit dans la pauvreté. Le projet  „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI), initié en 2002, vise à rendre transparent les relations financières entre les entreprises et les gouvernements, notamment en rendant public les appels d’offres pour les licences distribuées par l’Etat ainsi que les montants payés. Même après 10 ans d’efforts, le succès de cette initative reste cependant limité. Selon un rapport de TI, des facteurs comme la fixation de standards insuffisants dans l’attribution des marchés publics, un manque de transparence et d’obligation de rendre des comptes, la faiblesse des institutions étatiques et un fort clientèlisme jouent un rôle déterminant.