Bericht über Betrugsfälle weltweit
Im Juni 2010 publizierte die Association of Certified Fraud Examiners (ACFE) ihren “Report to the Nations on Occupational Fraud and Abuse”. Auf der Basis von 1843 Fällen, welche die Mitglieder der ACFE weltweit untersucht haben, analysiert die Organisation unter anderem die Methoden, Kosten und Ursachen von Betrug.
Die in den USA gegründete ACFE präsentiert seit 1996 einen jährlichen Bericht über Betrugsfälle. Dieser bezog sich zu Beginn nur auf die Vereinigten Staaten und nannte sich deshalb noch „Report to the Nation“. Nun bezieht er erstmals auch Fälle ausserhalb der USA mit ein, weshalb seine Bezeichnung leicht angepasst worden ist. Die Mehrzahl der Fälle stammt aber weiterhin aus den USA. Aus der Schweiz fanden vier Fälle Aufnahme in die Studie. Die Untersuchung basiert auf einer Online-Befragung von Mitgliedern des ACFE in verschiedenen Staaten. Diese beantworteten jeweils 87 Fragen zum grössten Betrugsfall, den sie im Zeitraum 2008 bis 2009 untersucht hatten.
Laut dem Bericht belaufen sich die durch Betrug verursachten Kosten für Unternehmen im Durchschnitt auf fünf Prozent ihrer Einnahmen. In einem Viertel der Fälle überstieg der Schaden die Grenze von einer Million US-Dollar. Auch die Eigenschaften der Täter untersuchte die ACFE. So zeigt sich etwa, dass ein Betrug einen umso grösseren Schaden verursacht, je höher die Position des involvierten Angestellten im Unternehmen ist. Zudem spielt auch die Beschäftigungsdauer eine Rolle: Mehr als die Hälfte der Missbräuche wurden von Angestellten begangen, die weniger als fünf Jahre im Betrieb beschäftigt waren. Hingegen steigt das Ausmass eines Betrugs mit der Dauer der Anstellung an.
40 Prozent der Fälle durch Whistleblower aufgedeckt
Der Bericht zeigt zudem die Bedeutung von Whistleblowing auf. Über 40 Prozent der Fälle wurden durch einen Hinweis aufgedeckt. Im Vergleich dazu kamen nur gerade 14 Prozent der untersuchten Betrugsfälle durch interne Audits und knapp 5 Prozent durch externe Revisionen ans Tageslicht. Es erstaunt daher nicht, dass eine Hotline für Whistleblower als effektivstes Mittel zur Aufdeckung eines Betrugs identifiziert wird: Das Vorhandensein einer solchen Hotline reduziert den durchschnittlichen Schaden um fast 60 Prozent.
Indem der Bericht der ACFE erstmals Fälle aus der ganzen Welt einbezieht, zeigt er auf, dass Betrug und Korruption globale Probleme sind. Auch wenn zwischen den verschiedenen Regionen einzelne Unterschiede bestehen, überwiegen die Ähnlichkeiten in den Betrugsmuster in Nordamerika, Europa oder Asien. Anhand der Untersuchung zeigt sich zudem, dass einfache und zugleich effektive Instrumente existieren, um Betrug zu verhindern, diese aber von vielen Unternehmen noch nicht eingesetzt werden. Das gilt besonders für Hotlines für Whistleblower sowie Ausbildung und Training der Angestellten, um sie für die Gefahr von Betrug zu sensibilisieren und im Umgang mit dem Problem zu schulen.
