Die Strategie von Transparency International – sich den Herausforderungen stellen

Dezember 2009

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und deren Folgen erarbeitet Transparency International (TI) eine neue Strategie für den Zeitraum von 2010 bis 2015. Gerade jetzt, wo die internationale Staatengemeinschaft in Kopenhagen über mögliche Lösungen für die Probleme des Klimawandels diskutiert, hat TI die Aufgabe, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und die Korruption auch in neuen Bereichen in Angriff zu nehmen. Trotz der weltweiten Anerkennung von TI im Gebiet der Korruptionsbekämpfung steht das Streben nach « Verbesserung » mehr denn je auf der Agenda der internationalen Organisation.

Die neue Strategie bringt zum Ausdruck, dass es notwendig ist noch mutiger vorzugehen, um alle Akteure der Gesellschaft zu vereinen, damit wirksame Änderungen für das gesellschaftliche Wohl auf globaler Ebene erreicht werden können. Gleichzeitig setzt sich TI zum Ziel sich nicht nur für good governance und integres Verhalten einzusetzen, sondern selber mit gutem Beispiel voranzugehen, indem sie innerhalb der Organisation hohe ethische Massstäbe an ihre Mitarbeitenden setzt.

Das Streben nach Transparenz, Verantwortlichkeit und Integrität ist und bleibt auf allen Stufen der Gesellschaft eine grosse Herausforderung, sei es im öffentlichen Sektor, in der Privatwirtschaft, im Bereich der NGOs und der gesamten Zivilgesellschaft.

Seit der Gründung im Jahre 1993 ist TI in mehr als 90 Ländern mit nationalen Sektionen vertreten. Ihre Korruptionsbemühungen sind auch nach 16 jähriger Tätigkeit nicht überall willkommen. So muss sich TI um die Sicherheit gewisser besonders exponierter nationalen Sektionen kümmern. Ihr Schutz bleibt erste Priorität.

Im Kontext der Finanzkrise haben sich auch die Voraussetzungen für potentielle Geldgeber verändert. Damit erhöht sich der Druck auf die Organisationen, die Gelder entgegennehmen, diese verantwortungsvoll und effizient einzusetzen. Geldgeber verlangen den Nachweis einer professionellen Projektbegleitung, die laufend neu gewonnene Erkenntnisse umsetzt. Zuoberst auf der Agenda der Spender stehen dabei ein straff geführtes Kostenmanagement sowie die Erhöhung der Wirkung pro eingesetztem Spendenfranken.

Neue auf globaler Ebene auftauchende Tendenzen stellen TI bezüglich seiner Kapazitäten und Lösungen vor neue Herausforderungen, insbesondere in den geo-ökonomischen und politischen, soziodemographischen Bereichen, der nationalen und internationalen Sicherheit, der Umwelt und der Globalisierung.

Der Arbeit von TI für die nächsten Jahre fokussiert sich auf die folgenden Ansätze:

  • Den Opfern und Zeugen von Korruption sollen in den Ländern, in denen TI tätig ist, mehr Schutz und Dienstleistungen angeboten werden.
  • Verstärken der Advocacy- und Lobbyarbeit, um die Korruptionsbekämpfung in die Agenden der Regierungen, der internationalen Organisationen und auch der NGOs zu integrieren.
  • Eine breitere Öffentlichkeit für den Kampf gegen die Korruption auf globaler und nationaler Ebene mobilisieren.
  • Als gutes Beispiel vorangehen und Normen im Bereich der Transparenz, der Verantwortlichkeit und der Integrität aufstellen und durchsetzen.

Um sich der Vielzahl der Herausforderungen zu stellen, sind die Unterstützung und das Engagement jedes Einzelnen nötig. Korruptionsbekämpfung bedeutet mehr soziale Gerechtigkeit und Respektierung der Menschenrechte. Die Welt darf die Reduktion der Armut als erstes Ziel der Millenium-Entwicklungsziele bis 2015 nicht aus den Augen verlieren. Dabei muss der Kampf gegen die Korruption eine Angelegenheit von uns allen werden.

Nadia BALGOBIN, Vorstandsmitglied von TI-CH